Ein zentraler Aspekt der Spam-Kunst ist das Prinzip Multitasking, da mindestens zwei kommunizierende Positionen die Voraussetzung schaffen, dass die Kunst überhaupt entstehen kann: der Initiator resp. Absender (und sei es auch nur eine Software) und der Empfänger resp. Adressat, der die Mail erhält.
Im Spannungsfeld dieser Interaktionen untersuchen Künstler die Gültigkeit und Wirkungsweisen von zunehmend verdichteten Informationen im gesellschaftlichen und persönlichen Umfeld. In diesen Kontext ist eine 2007 initiierte Arbeit des amerikanischen Künstlers Bill Shakelford einzureihen, die als „Spamtrap“ Junkmails über eigens angelegte Mailadressen empfängt, druckt und sofort zerstört bzw. an einen „Spamindex“ meldet. Shakelford machte in seiner Installation den Datenmüll sichtbar und offenbarte die kommunikative Sackgasse, die mit den Junkmails verbunden war. Gleichzeit ermöglichte er einen Blick in den offenen Rechner, die technischen Hintergründe und eine Ahnung über die erheblichen software- und hardwaretechnischen Aufwände, die Empfang, Ausdruck und Vernichtung einer Email erfordern.
Die Spamtrap steht als Metapher für die Komplexität oder Banalität unserer digitalen Kommunikation, die gigantische Leistungen vollbringt, um den selbstgeschaffenen Datenmüll zu verwerten. Noch im gleichen Jahr wurde die Installation zum „Spam-Shredder“ erweitert und in eine Marketingkampagne für die Firma Cisco Systems Inc. eingebunden: wer eine Email an die Mailadresse spam@spam-shredder.de weiterleitete, konnte live zusehen (www.spam-shredder.de) wie diese vernichtet wurde.
Bildquelle: http://billshackelford.com
Posts mit dem Label Kommunikation werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Kommunikation werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Sonntag, 12. September 2010
Donnerstag, 9. September 2010
SPAM-Trap
1996 experimentierte der englische Netart-Pionier Heath Bunting im Rahmen seiner künstlerischen Arbeiten auch mit „Junkmails“. Dazu richtete er eine Website ein, über die der User eine Spam-Mail an festgelegte Mailadressen verschicken konnte. Diese Adressen wiederum waren selbst bekannte Spam-Adressen und beförderten auf diese Weise den Spam zu ihren Urhebern zurück. Im Signet seines Projekts unterschied Bunting zwischen „Meat“, was gemeinhin das Fleisch resp. den Inhalt E-Mail bedeutet und der eigentlichen „SPAM-Trap“, die die indizierten Mailadressen bezeichnete. Die Arbeit wurde auf dem „Steirischen Herbst“ in Graz 1998 gezeigt.
Als Künstler untersucht Bunting in seinen Arbeiten Kommunikationsprozesse und analysiert das menschliche Verhalten in Abhängigkeit von elektronischen Umgebungen. Sein Junkmail-Projekt stand am Anfang einer langen Kette von Folgeinitiativen, in denen der Künstler diese Mechanismen beleuchtete und mit den scheinbar vertrauten Elementen einer digitalen Kommunikation experimentierte.
Bildquelle: http://www.irational.org/heath/spam/
Als Künstler untersucht Bunting in seinen Arbeiten Kommunikationsprozesse und analysiert das menschliche Verhalten in Abhängigkeit von elektronischen Umgebungen. Sein Junkmail-Projekt stand am Anfang einer langen Kette von Folgeinitiativen, in denen der Künstler diese Mechanismen beleuchtete und mit den scheinbar vertrauten Elementen einer digitalen Kommunikation experimentierte.
Bildquelle: http://www.irational.org/heath/spam/
Labels:
1996,
Heath Bunting,
Kommunikation,
SPAM-Artist,
SPAM-Trap
Mittwoch, 1. September 2010
SPAMMUSEUM
Die Stuttgarter Künstlerin Stefanie Reling arbeitet seit Jahren mit dem Thema Spam und desitilliert aus den Junkmails Phrasen, Wortgebilde, Texte und Botschaften: „Dieser unendliche Reichtum an Formulierungen, poetischen und philosophischen Gedanken, sowie die Sinnlosigkeit der breiten Versendung durch das Internet findet Entsprechung in Bildern, Objekten, Textcollagen und Schriftbändern“ (SR).
Über das eigentliche Sammeln der Junkmails und die Analyse der Sprachsysteme hinaus, löst die Künstlerin Textsequenzen aus den Mails und arrangiert sie zu fliesenden Rauminstallationen, „Fortsetzungs-Spamcollagen“ und Kunstobjekten. Die dabei genutzten Farbcodierungen der Texte auf blauen und roten Streifen paraphrasieren das digitale Statakto der Spammails, zitieren aber auch Grundfarben einer weitgehend standardisierten Webästhetik, die für Verlinkungen auf Websites entsprechende Kolorierungen kennt.
Durch die Montage weiterer Gebrauchsgegenstände in den Rauminstallationen als reale Umsetzungen der in den Nachrichten fixierten Phrasen und Wörter potentiert die Künstlerin die fast surreale Wirkung dieser Botschaften. Dabei spielen die collagierten Spruchbänder in ihrer Mehrsprachigkeit mit den Prinzipien einer internationalen Kommunikation, ohne eine ebensolche zu sein. Die Botschaften werden vom Rezipienten als fließende Prinzipien wahrgenommen, gelesen, bleiben aber geheimnisvoll und rätselhaft. Als offene Gewebe wachsen sie erst durch die Interpretation des Betrachters zu neuen Bedeutungszusammenhängen zusammen.
Im Sinne einer besonderen Zeitgenossenschaft reflektiert Stefanie Reling ein aus der digitalen Welt gezogenes Vokabular und übergibt es für eine neue Interpretation und Einordnung wieder an die reale Welt zurück.

Über das eigentliche Sammeln der Junkmails und die Analyse der Sprachsysteme hinaus, löst die Künstlerin Textsequenzen aus den Mails und arrangiert sie zu fliesenden Rauminstallationen, „Fortsetzungs-Spamcollagen“ und Kunstobjekten. Die dabei genutzten Farbcodierungen der Texte auf blauen und roten Streifen paraphrasieren das digitale Statakto der Spammails, zitieren aber auch Grundfarben einer weitgehend standardisierten Webästhetik, die für Verlinkungen auf Websites entsprechende Kolorierungen kennt.
Durch die Montage weiterer Gebrauchsgegenstände in den Rauminstallationen als reale Umsetzungen der in den Nachrichten fixierten Phrasen und Wörter potentiert die Künstlerin die fast surreale Wirkung dieser Botschaften. Dabei spielen die collagierten Spruchbänder in ihrer Mehrsprachigkeit mit den Prinzipien einer internationalen Kommunikation, ohne eine ebensolche zu sein. Die Botschaften werden vom Rezipienten als fließende Prinzipien wahrgenommen, gelesen, bleiben aber geheimnisvoll und rätselhaft. Als offene Gewebe wachsen sie erst durch die Interpretation des Betrachters zu neuen Bedeutungszusammenhängen zusammen.
Im Sinne einer besonderen Zeitgenossenschaft reflektiert Stefanie Reling ein aus der digitalen Welt gezogenes Vokabular und übergibt es für eine neue Interpretation und Einordnung wieder an die reale Welt zurück.
Stefanie Reling,
Objekte und Spams / objects and spams, 2008, 2009Bildquelle: http://www.spammuseum.de
Labels:
Kommunikation,
SPAM-Artist,
Spammuseum,
Sprachsystem,
Stefanie Reling
Montag, 30. August 2010
"SPAM" March 2005"
Die in Berlin lebende Künstlerin Katrin von Maltzahn beschäftigt sich seit Mitte der 90er Jahre mit den unterschiedlichen Aspekten der Kommunikation. In einer Vielzahl von Arbeiten hat sie Zeichen- und Sprachsysteme, sowie deren grundlegende Techniken der Übermittlung, Aneignung, Archivierung und Weiterentwicklung thematisiert. In dem Masse, in sich im Zeitalter der digitalen Medien auch die Kommunikation ändert, wachsen nun neue Impulse in diese Reflektion hinein.
Mit dem Thema „Spam“ befasst sich die Künstlerin seit mindestens 2005: “For SPAM March 2005 I have turned my attention again to the transient phenomenon of "Spam" (= unwanted commercial email messages, that is said to make up as much as 50 % of all email traffic). The "Spam" problem has forced upon us a reality wherein we are all more and more dependent on robotic filters that monitor the flow of our communication with the outside world – often with us having a very vague idea of the parameters used. For this project I have disabled all filters during the month of March that shield me and my computer from these unwanted invitations and distractions. Instead I have collected all "Spam" directed at me. The resulting catalogue of subject lines is presented as a large scale wall drawing, in which these unedited and unwanted messages are transformed / recycled into an unexpected visual drama.” (KvM)
In der künstlerischen Umsetzung erscheint „Spam“ als dynamische Tintenzeichnung aus quasi recycelten Spam-Nachrichten. Diese wachsen, dem lesbaren Textduktus enthoben, in vertikalen Ketten von der Decke und scheinen sich zu einem dichten Vorhang zu verketten. Der Mechanik genormter Drucklettern oder dem PC-Monitor entführt, sind die Botschaften nur noch dem menschlichen Schreibduktus und -rhytmus verantwortlich. Einem typographischen Chiffre vergleichbar, fügen sie sich zu einem organischen Ganzen. Die sich ergebenden Texturen transportieren dabei die Grundstruktur des Ausgangselementes, des Zeichen als Material. Tatsächlich ist Kondensations- und Ausgangspunkt der zeichnerischen oder plastischen Bildungen Katrin von Maltzahns die aufmerksame künstlerische Hege eines geheimen Gartens der Zeichen. Diesem Kosmos sind auch die Spam-Nachrichten zuzurechnen.
Mit dem Thema „Spam“ befasst sich die Künstlerin seit mindestens 2005: “For SPAM March 2005 I have turned my attention again to the transient phenomenon of "Spam" (= unwanted commercial email messages, that is said to make up as much as 50 % of all email traffic). The "Spam" problem has forced upon us a reality wherein we are all more and more dependent on robotic filters that monitor the flow of our communication with the outside world – often with us having a very vague idea of the parameters used. For this project I have disabled all filters during the month of March that shield me and my computer from these unwanted invitations and distractions. Instead I have collected all "Spam" directed at me. The resulting catalogue of subject lines is presented as a large scale wall drawing, in which these unedited and unwanted messages are transformed / recycled into an unexpected visual drama.” (KvM)
In der künstlerischen Umsetzung erscheint „Spam“ als dynamische Tintenzeichnung aus quasi recycelten Spam-Nachrichten. Diese wachsen, dem lesbaren Textduktus enthoben, in vertikalen Ketten von der Decke und scheinen sich zu einem dichten Vorhang zu verketten. Der Mechanik genormter Drucklettern oder dem PC-Monitor entführt, sind die Botschaften nur noch dem menschlichen Schreibduktus und -rhytmus verantwortlich. Einem typographischen Chiffre vergleichbar, fügen sie sich zu einem organischen Ganzen. Die sich ergebenden Texturen transportieren dabei die Grundstruktur des Ausgangselementes, des Zeichen als Material. Tatsächlich ist Kondensations- und Ausgangspunkt der zeichnerischen oder plastischen Bildungen Katrin von Maltzahns die aufmerksame künstlerische Hege eines geheimen Gartens der Zeichen. Diesem Kosmos sind auch die Spam-Nachrichten zuzurechnen.
Katrin von Maltzahn
installation view Kunstbank Berlin 2005
acrylic paint on wall
220 x 1100 cm
Bildquelle: http://www.katrinvm.de/Pages/files2/spam_m3.htm
Labels:
2005,
Kathrin von Maltzahn,
Kommunikation,
SPAM-Artist,
Sprachsystem
Abonnieren
Posts (Atom)
