Weniger bekannt als Spam, aber deutlich phantasievoller und womöglich ebenso effektiv, sind die sog. Scam-E-Mails – vermeintliche Geschäftsangebote oder Hilferufe, die mit erzählerischem Duktus von genialen Geschäftsofferten, unvermuteten Lotteriegewinnen, geheimen Schätzen, gemeinen Schicksalen und dem immerwährenden Kampf zwischen Gut und Böse berichten. Dabei besetzen die kriminellen Spammer, bzw-. deren Autoren, so ziemlich jedes Klischee, das die westliche Welt zu vergeben hat. In den Mails werden dramatische und bewegende Schicksale geschildert, enorme Summen ausgelobt oder einfach an die Hilfsbereitschaft eines Menschen appelliert. Die Verführungsparameter laufen über die immerwährenden Hoffnungen des Menschen auf plötzlichen Reichtum, Glück und Erfüllung. Dabei treffen sie die mitteleuropäische Gesellschaft offensichtlich an sensiblen Stellen, denn der Schaden durch diese kriminellen Initiativen ist beträchtlich. Zu tausenden lassen sich Ahnungslose in die Fänge einer hinterhältigen Trickbetrügerei locken und werden zu Opfern gemacht. Zuweilen ist es eine scheinbar vereinsamte Osteuropäerin oder Asiatin, die unverschuldet in eine dramatische Lebenssituation geraten ist und in hilflosen Sätzen ihr erbarmungswürdiges Schicksal ausbreitet. Das andere Mal ist es ein afrikanischer Goldminenbesitzer, der seine Heimat als Eldorado der politischen Korruption und Wirtschaftsintrige inszeniert und nun aus Europa dringende Hilfe erbittet. In einer weiteren Variante ist es der Nachlass eines tragisch ums Leben gekommen Millionärs, der ohne Erbe geblieben ist und nun abgewickelt werden muss. In jedem Fall sollen die Adressaten der SCAM-Mails zur Preisgabe biographischer Daten und/oder finanziellem Engagement motiviert werden. Der Phantasie sind in diesen Geschichten keine Grenzen gesetzt.
Der deutsche Grafiker und Comic-Zeichner Henning Wagenbreth nutzt für viele seiner Projekte Inspirationen und Konzeptionen aus dem digitalen Raum. 2006 publizierte er eine Sammlung von 36 illustrierten SCAM-Mails aus den Jahren 2001 bis 2004: „Der Ton ist sorgfältig gewählt, die oft haarsträubenden Geschichten phantasievoll konstruiert: Die afrikanischen Scam-Mails, die sich seit Jahren in unseren E-Mail-Boxen sammeln, stellen eine besondere Art des gezielten Betrugs dar. Maßlos, unverblümt direkt und sprachlich aberwitzig werden Personalien erfunden und tragisch-katastrophische Situationen in korrupten afrikanischen Staaten geschildert. Das briefliche Angebot verspricht lukrative Geschäfte in Millionenhöhe und spielt dabei geschickt mit den in Europa und USA verbreiteten Vorurteilen. »Cry for help« versammelt 36 dieser kleinen bösen Meisterwerke.
Henning Wagenbreth
Cry for Help
36 Scam Emails from Africa
ISBN-13:
ISBN-10:
Ginko Press, 2006
Bildquelle: http://www.gingkopress.com/03-gra/cry-for-help.html
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Samstag, 18. September 2010
Cry or Help - Scam-Emails
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2006,
Comic,
Henning Wagenbreth,
Scam
Montag, 13. September 2010
Von der SPAM-Trap zum SPAM-Recycling
Der zuvor einmal vorgestellte Spam-Shredder (www.spam-shredder.de) hat eine Parallele in der Idee des Spamrecyclers der EnBW Energie Baden-Württemberg AG. Dieser wurde 2006 von der Werbeschmiede Jung von Matt unter der URL www.spamrecycling.com freigeschaltet. User konnten ihre Junkmails an eine Software weiterleiten, die automatisiert aus den Buchstaben, Wortfetzen oder Bildfragmenten feine Flashgrafiken errechnete. Die Ergebnisse dieses Daten-Recyclings präsentierten sich als schöngerechnete Liniennebel am illuminierten Nachthimmel des eigenen Desktop.
In der Bewertung zeigt sich hier eine quasi intellektuelle Umkehrung von Spam, die aus dem Datenmüll ein ästhetisches Artefakt produziert, - eine dekorative Grafik, die sich der Absender zur Eigennutzung auch wieder zusenden lassen kann. Mit dem vielfach ausgezeichneten Projekt wollte die EnBW auf ihr Recycling-Engagement in der »realen Welt« aufmerksam machen, in der sie aus Hausmüll, Industrieabfällen oder sogar Kuhmist neue Energie erzeugen. Zur Kommunikation des eigenen Profils lag dann die Idee nahe, einen Müllplatz zu fokussieren, der jedem Internetnutzer bestens vertraut ist: den Junkmailordner und dessen täglichen Lieferanten, den Spam. Tatsächlich war das Online-Projekt längst erfolgreich abgeschlossen, wurde aber 2008 reaktiviert, nachdem es im Web wieder und wieder intensiv diskutiert worden war. Für das Projekt war eine Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe angedacht, wurde bislang aber noch nicht realisiert.
In der Bewertung zeigt sich hier eine quasi intellektuelle Umkehrung von Spam, die aus dem Datenmüll ein ästhetisches Artefakt produziert, - eine dekorative Grafik, die sich der Absender zur Eigennutzung auch wieder zusenden lassen kann. Mit dem vielfach ausgezeichneten Projekt wollte die EnBW auf ihr Recycling-Engagement in der »realen Welt« aufmerksam machen, in der sie aus Hausmüll, Industrieabfällen oder sogar Kuhmist neue Energie erzeugen. Zur Kommunikation des eigenen Profils lag dann die Idee nahe, einen Müllplatz zu fokussieren, der jedem Internetnutzer bestens vertraut ist: den Junkmailordner und dessen täglichen Lieferanten, den Spam. Tatsächlich war das Online-Projekt längst erfolgreich abgeschlossen, wurde aber 2008 reaktiviert, nachdem es im Web wieder und wieder intensiv diskutiert worden war. Für das Projekt war eine Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe angedacht, wurde bislang aber noch nicht realisiert.
Donnerstag, 2. September 2010
Spamstractions
Der US-Amerikaner JK Keller arbeitet als Künstler und Designer in New York. In seinen Arbeiten untersucht er Beeinflussungen und Schnittpunkte von Kunst, Design und Multimedia. Seine „Spamstractions“ datieren aus dem Jahr 2006 und sind aus hunderten Spam-Mails generiert. In seinen Arbeiten filtert er die Bitmuster von Spam-Mails, die von den Spammern benutzt werden, um Filtermechanismen und Firewalls zu täuschen oder zu umgehen. Die so generierten Informationen werden zu abstrakten Komposition kompiliert und errscheinen als mystische Botschaften im Kontext von "Technology & Imagination".
Wer JK Keller übrigens beim Denken und „Reifen“ zusehen möchte, kann das online: der Künstler postet seit 12 Jahren jeden Tag ein Portraitfoto unter http://www.c71123.com/daily_photo/.
JK Keller
Spamstractions, 2006
Bildquelle: http://www.c71123.com/spam-abstractions/
Wer JK Keller übrigens beim Denken und „Reifen“ zusehen möchte, kann das online: der Künstler postet seit 12 Jahren jeden Tag ein Portraitfoto unter http://www.c71123.com/daily_photo/.
JK Keller
Spamstractions, 2006
Bildquelle: http://www.c71123.com/spam-abstractions/
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